VORARLBERGER, ÜBER DIE MAN SPRICHT. Erwin Fitz (58)

Im Dienst der Gefallenen

 

Militärhistoriker Erwin Fitz ist im Gedenkjahr zum Ersten Weltkrieg ein besonders gefragter Mann.

BREGENZ. (VN-gs) 28. Juni 2014 in Sarajevo, hundert Jahre danach: „Ich war der am meisten fotografierte Mann am Platz“, resümiert Oberst Erwin Fitz. An jenem Tag enthüllte er auf einem Friedhof einen Gedenkstein für 2456 Kriegstote aus der Monarchie.
Selbst Jahrhunderte sind für den Militärhistoriker keine Herausforderung, wenn es um die lückenlose Erfassung von gefallenen Soldaten aus Vorarlberg geht. So weiß er, dass von 25.000 Vorarlbergern, die im Ersten Weltkrieg an die Front gerufen wurden, genau 5056 Soldaten den Einsatz mit ihrem Leben bezahlten.

Ein Weihnachtswunder

Fitz wird auch immer wieder zur Zielperson von Angehörigen gefallener Soldaten, wenn diese nach einer Antwort suchen. „Als ein einschneidendes Erlebnis fällt mir hier beispielsweise ein Frastanzer ein, dessen Vater aus dem Zweiten Weltkrieg nie mehr nach Hause zurückgekehrt ist. Es war an einem Heiligen Abend und er wollte Informationen“, erinnert sich der Oberst. „Da sah ich in meinen Unterlagen nach, und nur zwanzig Minuten später konnte ich dem Herrn mitteilen, dass sein Vater auf einem Soldatenfriedhof in Ungarn liegt. Ich gab ihm die Grablage und Wegbeschreibung. Er bedankte sich und sagte, dass er nun zu seinem eigenen Seelenfrieden gefunden habe.“
Der Erste Weltkrieg und seine Gefallenen liegen ganz besonders im Focus des passionierten Historikers, der von Albanien bis Zypern ihre Spuren verfolgt. Immer wieder wird er zu entsprechenden Anlässen herangezogen, seien es Vorträge, seien es Enthüllungen von Gedenksteinen. Im kommenden August wird er nach Passo Paradiso (beim Tonalepass) reisen. Dort findet eine Verbrüderungsfeier zwischen Österreichern und Italienern statt.
Überhaupt ist Fitz der sprichwörtliche Experte, wenn es um Belange der Vorarlberger Militärgeschichte geht. „Von der Ur- und Frühgeschichte bis ins Heute fasziniert mich diese Materie“, sagt er gegenüber den VN.

Eine Soldatenfamilie

Mehr als 200 Publikationen hat er bisher darüber verfasst. Er gilt als unverzichtbarer Referent, reist zu vielen Vorträgen und hat auf alle Fragen eine Antwort. Das Soldatentum ist fest in seiner Familie verankert, der Name Fitz steht geradezu für einen ganzen militärischen Familienstammbaum. Bereits in der Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 fielen bei den schwäbischen Reichstruppen zwei Brüder mit dem Namen Jakobus und Hans Fitz, und ein gewisser Debus Fitz stritt 1578 in Maastricht mit. Auch für Fitz war mit vier Jahren alles klar: „Seit damals war es mein Berufsziel, Soldat zu werden.“

 

Von der Ur- und Frühgeschichte bis ins Heute fasziniert mich diese Materie.

ERWIN FITZ

Seit fast dreißig Jahren ist er in der Freizeit Präsident des Vorarlberger Militärmuseums sowie seit 15 Jahren Landesgeschäftsführer beim „Schwarzen Kreuz“ (Kriegsgräberfürsorge). Derzeit ist er unter anderem mit der Einrichtung des Militärmuseums in der Bregenzer Bilgerikaserne beschäftigt.